Der „Wiege der Zivilisation“ entsprungen –
Wer sind und waren die Assyrer*innen?

Der „Wiege der Zivi­lisation“ entsprungen – Wer sind und waren die Assyrer*innen?

Die modernen Assyrer*innen sind die indigene Bevölkerung des Zweistromlandes Mesopotamien, das im Gedächtnis der Menschen als „Wiege der Zivilisation“ verankert ist. Das Land findet man zwar nicht mehr auf der Landkarte, doch liegen in der heutigen Türkei, in Syrien, im Irak und Iran die ursprünglichen Siedlungsgebiete. Die Assyrer*innen verstehen sich als Nachfahr*innen der antiken Völker der Sumerer*innen, der Akkader*innen, der Babylonier*innen und der Aramäer*innen.

Als das Assyrische Reich um 609 v. Chr. zusammenbrach, errichteten die Assyrer*innen Nachfolgerstaaten, die unter den Namen „Mesopotamia“ und „Assyria“ zusammengefasst wurden.

Lange Zeit später, im 19. Jahrhundert, entfachte schließlich weltweit das Nationalbewusstsein unter den Völkergemeinschaften. Was war ausschlaggebend dafür? Es waren vor allem Geografie, Kultur und Sprache, die zu der Entwicklung eines assyrischen Selbstverständnisses und einer kulturellen Identität führten.

Neben dem Begriff „Assyrer*in“ sind u.a. auch die Volksbezeichnungen „Aramäer*in“ und „Chaldäer*in“ im deutschsprachigen Raum gängig, bezeichnen dieselbe Volksgruppe und sind als Synonyme zu verstehen.

Nachdem die Assyrer*innen den christlichen Glauben annahmen, begann für sie eine tragische Geschichte voller Unterdrückung und Leid. Über Jahrhunderte waren die Assyrer*innen vielen Verfolgungen, Vertreibungen, Repressalien und anderen Diskriminierungsmaßnahmen ausgesetzt. Sie wurden ab dem Jahr 1914 zusammen mit Armenier*innen und Pontosgriech*innen Opfer des Genozids im Osmanischen Reich. Über die Hälfte der assyrischen Bevölkerung kam bei diesem Völkermord um. Diese Gräueltaten haben sich bei den Assyrer*innen als Trauma unter dem Begriff „Sayfo“ in das kulturelle Gedächtnis eingebrannt. Auch das Simele-Massaker im August 1933 ist nur ein weiteres von vielen Beispielen, bei dem die assyrischen Ureinwohner*innen zur Zielscheibe von systematischer Vernichtung und Vertreibung wurden.

Die überwiegende Mehrheit der Assyrer*innen gehört heute dem Christentum an und ist größtenteils den syrisch-orthodoxen, syrisch-maronitischen, syrisch-katholischen und chaldäisch-katholischen Kirchen sowie der Kirche des Ostens und der alten Kirchen des Ostens zugehörig.

Im 21. Jahrhundert ist das Leben in der Heimat immer noch von politischer Spannung und religiöser Repression geprägt. So flohen seit Beginn des Irakkrieges im Jahr 2003 weit mehr als die Hälfte der im Irak beheimateten Assyrer*innen aus dem Land. Die Geschehnisse im syrischen Bürgerkrieg ab 2011 brachten das assyrische Volk erneut zwischen die Fronten verfeindeter Mächte. Hinzukommt, dass das Erstarken des Islamischen Staates (IS) in Syrien und dem Irak eine neue große Fluchtwelle und die Ausdehnung der Diaspora antrieb. Plünderungen und die Zerstörung antiker Kulturgüter tragen zur voranschreitenden Entwurzelung der Assyrer*innen in ihrer Heimat bei.

Inzwischen leben bis zu 85 % der Bevölkerung außerhalb ihrer einstigen Heimatgebieten. In Deutschland, Österreich und der Schweiz zählt man heute etwa mehr als 200.000 Assyrer*innen.

Für die Kinder und Jugendlichen dieser Gemeinschaft stellt der AJM in den genannten Ländern einen Ansprechpartner auf mehreren Ebenen dar. Er bietet und schafft Angebote für junge Menschen, um sie in den verschiedensten Bereichen ihren Bedarfen entsprechend zu fördern. Der AJM führt mit all seinen Landesverbänden und ehrenamtlichen Mitgliedern sowohl kulturelle als auch traditionelle, sportliche, bildende, kreative, bildungspolitische, gemeinschaftliche und empowernde Angebote durch.

Die Vernetzung der Kinder und Jugendlichen ist ein wichtiges Ziel des AJM, ebenso wie die Förderung eines Demokratieverständnisses. Durch die Schaffung demokratischer Strukturen in der Diaspora und das aktive Erleben eben dieser in den ehrenamtlichen Strukturen, werden jungen Menschen dazu befähigt, ihre eigenen Sichtweisen, Meinungen, Belange und Forderungen zu artikulieren und gemeinsam mit ihrer Expertise in die hiesige Gesellschaft zu spiegeln.

Assyrische Flagge (Grafik: AUA)

Karte Assyrien

Flüchtlinge am See Urmia, 1915 (Foto: Basil Nikitin)

Assyrer*innen während einer Mahnwache zur Anerkennung des Völkermordes 1915, Reichstag Berlin

Von IS zerstörte Kirche in Tel Nasri, Khabour/Syrien
(Foto: Jessica Lahdow)

Assyrer*innen demonstrieren gegen den IS im Irak

Tanzunterricht im Rahmen des assyrischen Jugendcamps “Camp Ashur”

Assyrer*innen während einer Versammlung des Assyrischen Jugendverbandes Mitteleuropa e.V.

Die modernen Assyrer*innen sind die indigene Bevölkerung des Zweistrom­landes Mesopotamien, das im Gedächtnis der Menschen als „Wiege der Zivilisation“ verankert ist. Das Land findet man zwar nicht mehr auf der Landkarte, doch liegen in der heutigen Türkei, in Syrien, im Irak und Iran die ursprünglichen Siedlungsgebiete. Die Assyrer*innen verstehen sich als Nachfahr*innen der antiken Völker der Sumerer*innen, der Akkader*innen, der Babylonier*innen und der Aramäer*innen.

Als das Assyrische Reich um 609 v. Chr. zusammenbrach, errichteten die Assyrer*innen Nachfolgerstaaten, die unter den Namen „Mesopotamia“ und „Assyria“ zusammengefasst wurden.

Lange Zeit später, im 19. Jahrhundert, entfachte schließlich weltweit das Nationalbewusstsein unter den Völkergemeinschaften. Was war ausschlaggebend dafür? Es waren vor allem Geografie, Kultur und Sprache, die zu der Entwicklung eines assyrischen Selbstverständnisses und einer kulturellen Identität führten.

Neben dem Begriff „Assyrer*in“ sind u.a. auch die Volksbezeichnungen „Aramäer*in“ und „Chaldäer*in“ im deutschsprachigen Raum gängig, bezeichnen dieselbe Volksgruppe und sind als Synonyme zu verstehen.

Nachdem die Assyrer*innen den christlichen Glauben annahmen, begann für sie eine tragische Geschichte voller Unterdrückung und Leid. Über Jahrhunderte waren die Assyrer*innen vielen Verfolgungen, Vertreibungen, Repressalien und anderen Diskriminierungsmaßnahmen ausgesetzt. Sie wurden ab dem Jahr 1914 zusammen mit Armenier*innen und Pontosgriech*innen Opfer des Genozids im Osmanischen Reich. Über die Hälfte der assyrischen Bevölkerung kam bei diesem Völkermord um. Diese Gräueltaten haben sich bei den Assyrer*innen als Trauma unter dem Begriff „Sayfo“ in das kulturelle Gedächtnis eingebrannt. Auch das Simele-Massaker im August 1933 ist nur ein weiteres von vielen Beispielen, bei dem die assyrischen Ureinwohner*innen zur Zielscheibe von systematischer Vernichtung und Vertreibung wurden.

Die überwiegende Mehrheit der Assyrer*innen gehört heute dem Christentum an und ist größtenteils den syrisch-orthodoxen, syrisch-maronitischen, syrisch-katholischen und chaldäisch-katholischen Kirchen sowie der Kirche des Ostens und der alten Kirchen des Ostens zugehörig.

Im 21. Jahrhundert ist das Leben in der Heimat immer noch von politischer Spannung und religiöser Repression geprägt. So flohen seit Beginn des Irakkrieges im Jahr 2003 weit mehr als die Hälfte der im Irak beheimateten Assyrer*innen aus dem Land. Die Geschehnisse im syrischen Bürgerkrieg ab 2011 brachten das assyrische Volk erneut zwischen die Fronten verfeindeter Mächte. Hinzukommt, dass das Erstarken des Islamischen Staates (IS) in Syrien und dem Irak eine neue große Fluchtwelle und die Ausdehnung der Diaspora antrieb. Plünderungen und die Zerstörung antiker Kulturgüter tragen zur voranschreitenden Entwurzelung der Assyrer*innen in ihrer Heimat bei.

Inzwischen leben bis zu 85 % der Bevölkerung außerhalb ihrer einstigen Heimatgebieten. In Deutschland, Österreich und der Schweiz zählt man heute etwa mehr als 200.000 Assyrer*innen.

Für die Kinder und Jugendlichen dieser Gemeinschaft stellt der AJM in den genannten Ländern einen Ansprechpartner auf mehreren Ebenen dar. Er bietet und schafft Angebote für junge Menschen, um sie in den verschiedensten Bereichen ihren Bedarfen entsprechend zu fördern. Der AJM führt mit all seinen Landesverbänden und ehrenamtlichen Mitgliedern sowohl kulturelle als auch traditionelle, sportliche, bildende, kreative, bildungspolitische, gemeinschaftliche und empowernde Angebote durch.

Die Vernetzung der Kinder und Jugendlichen ist ein wichtiges Ziel des AJM, ebenso wie die Förderung eines Demokratieverständnisses. Durch die Schaffung demokratischer Strukturen in der Diaspora und das aktive Erleben eben dieser in den ehrenamtlichen Strukturen, werden jungen Menschen dazu befähigt, ihre eigenen Sichtweisen, Meinungen, Belange und Forderungen zu artikulieren und gemeinsam mit ihrer Expertise in die hiesige Gesellschaft zu spiegeln.

Assyrische Flagge (Grafik: AUA)

Karte Assyrien

Flüchtlinge am See Urmia, 1915 (Foto: Basil Nikitin)

Assyrer*innen während einer Mahnwache zur Anerkennung des Völkermordes 1915, Reichstag Berlin

Von IS zerstörte Kirche in Tel Nasri, Khabour/Syrien
(Foto: Jessica Lahdow)

Assyrer*innen demonstrieren gegen den IS im Irak

Tanzunterricht im Rahmen des assyrischen Jugendcamps “Camp Ashur”

Assyrer*innen während einer Versammlung des Assyrischen Jugendverbandes Mitteleuropa e.V.

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